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   LERNVORAUSSETZUNGEN  


Damit Unterricht den grösstmöglichen Nutzen erzielen kann, müssen wechselseitige Voraussetzungen gegeben sein. Diese setzen die Handlungskompetenz der Lehrperson und in gleichem Masse auch des Lernenden (Gast) voraus. Die Handlungskompetenz beinhaltet die Selbstkompetenz, Methodenkompetenz, Fachkompetenz und Sozialkompetenz.

 

 Selbstkompetenz 

Essenziell ist die sachliche, korrekte Selbsteinschätzung. Emotionen, Wunschdenken lassen oft ein falsches Bild von sich manifestieren, welches der Lernbereitschaft abträglich ist. Auch gilt es festzustellen ob die Motivation für den Schneesport intrinsisch begründet ist oder ob dies aus Gefallen dem Umfeld gegenüber geschieht (extrinsisch). Selbstredend ist Engagement aus eigener Motivation erfolgsversprechender. Eine wichtige Fähigkeit ist auch die eigenen Erwartungen an den Schneesportlehrer konstruktiv zu formulieren.

 

 Methodenkompetenz 

Jede/r musste im Verlaufe der Ausbildung Lernstrategien entwickeln um Ziele zu erreichen oder um diese zu vermitteln. Diese persönlichen Lern- und Lehrererfahrungen gilt es auch während dem Schneesportunterricht bewusst einzusetzen. In unserer hochtechnisierten und akademisierten Welt ist es zudem erforderlich den Bezug und das Bewusstsein zum eigenen Körper nicht zu verlieren und ein logisches Denkmuster aufrechtzuerhalten. Schneesport ist in seiner Essenz ultimativ logisch und begründbar, jede Aktion hat eine Reaktion zur Folge. Schneesport ist ein Paradebeispiel um Physik, das physikalische Grundprinzip Actio / Reactio praktisch anzuwenden und zu erfahren.

 

 Fachkompetenz 

Grundsportlichkeit ist elementar um Fortschritte im Schneesport erzielen zu können. Sportliche Betätigung fördert Bewegungserfahrungen und steigert die Leistungsvoraussetzungen. Bei ergänzenden Sportarten sind insbesondere solche zu bevorzugen welche die Erhaltung des dynamischen Gleichgewichts und den Umgang mit Trägheitskräften (positive, negative Beschleunigung) fördern. Auch die mentale Leistungsbereitschaft muss gegeben sein um aktiv und produktiv am Schneesportunterricht teilzunehmen.

 

 Sozialkompetenz 

Sozialkompetenz ist in aller Munde - leider jedoch bis zur Unkenntlichkeit verklärt worden. Sozialistische Floskeln dreschen und sich dabei cool verhalten, zeichnet mitnichten Sozialkompetenz aus. Zentral ist die Einstellung dem Gegenüber aktiv zuhören zu wollen. Darunter versteht man, sich in den Gesprächspartner hineinzuversetzen, das Gesagte einfühlend gewichten und sich nicht schon vorgängig auf eine Antwort festlegen. Man schenkt dem Gegenüber die volle Aufmerksamkeit und achtet insbesondere auch auf die Zwischentöne. Man interagiert weder zum Vorteil für sich noch zum Nachteil des anderen.

 

Um sich optimal auf den Unterricht vorzubereiten und Lernerfolge zu ermöglichen, sollten sich Gäste vorgängig mit folgenden Fragen und Themen auseinandersetzen:

 

  • Eine Vorstellung entwickeln, wie sich der Ski (Gerät) auf dem Schnee verhält
  • Welche Funktionen können mit dem Gerät ausgeführt werden
  • Welche Bewegungsmöglichkeiten des Körpers sind vorhanden um das Gerät zu beeinflussen, wie lässt es sich kontrollieren und steuern
  • Welche Sinne sind notwendig um die physikalischen Kräfte, die sportartspezifischen Bewegungsstrukturen wahrzunehmen und einzuordnen
  • Die methodischen Grundsätze lauten: vom Einfachen zum Schwierigen - vom Bekannten zum Unbekannten - vom Wesentlichen zur Vielfalt
  • Vielfach entscheidet man sich zur Ausübung von Schneesport da vermeintlich keine übermässige körperliche Anstrengung erforderlich ist. Die souveräne Ausführung von Schneesport setzt jedoch Grundsportlichkeit und insbesondere ausreichend Kraftausdauer voraus
  • Auch ist die Vorstellung weitverbreitet sich beim Schneesportunterricht lediglich akustisch berieseln lassen und dann auf Knopfdruck ansprechend Ski fahren zu können. Fortschritte im Schneesport zu erzielen, erfordert volles Engagement und aktive Teilnahme am Unterricht
  • In der Komfortzone verharren, ist nicht zielführend. Während des Unterrichts werden bewusst unbekannte Lernaufgaben gestellt um damit neue Bewegungsantworten zu provozieren. Diesen Ansatz gilt es als Gast offen und motiviert zu verinnerlichen
  • Oftmals wird auf die Frage nach sportlicher Betätigung der Gang ins Fitnessstudio angegeben. Es ist durchaus zum spezifischen Muskelaufbau angebracht. Jedoch ersetzt es nicht die Ausübung einer bewegungsintensiven Sportart welche den spielerischen Umgang mit unterschiedlichen aufeinanderfolgenden Bewegungen, das stetige Anpassen des Körperschwerpunktes erfordert. Optimal um Fortschritte im Schneesport zu erzielen, sind ergänzende Sportarten welche den Bewegungssinn und Gleichgewichtssinn schärfen wie z.B. Fahrradfahren, Inlineskating, Eislaufen, Turnen, Trailrunning etc.  Reines Fitnesstraining ist nicht geeignet um Fortschritte im Schneesport zu ermöglichen
  • Auch die populären Freizeitbeschäftigungen Wandern oder E-Biking sind als ausschliessliche Sportbetätigungen ungeeignet um den Anforderungen des Schneesports gerecht zu werden. Ergänzende Sportarten sollten den Körperkreislauf intensiv anregen um möglichst gut auf die physischen Anforderungen des Schneesports gerüstet zu sein

 

Ich hoffe Ihnen mit diesen Ausführungen eine Entscheidungsgrundlage für ein allfälliges Interesse am Schneesportunterricht geben zu können. 




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